Sparkasse Koblenz Magazin
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Expertenwissen und breit gefächerte Kompetenz im Auslandsgeschäft

Vorstandsvorsitzender Matthias Nester im Interview

Beratung lokal, Backoffice zentral – Matthias Nester, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Koblenz, erklärt, warum sein Bankinstitut seit Januar dem Sparkassenverbund S-International Baden-Württemberg Nord angehört und welche Vorteile das für die Firmenkunden bringt.

Matthias Nester Vorstandsvorsitzender Sparkasse Koblenz
Matthias Nester, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Koblenz

Seit Jahresbeginn 2023 ist die Sparkasse Koblenz Gesellschafterin der S-International Baden-Württemberg Nord (SIBWN) – ein Zusammenschluss von derzeit 16 Sparkassengesellschaften mit regionaler Verankerung entweder in Baden-Württemberg oder in Rheinland-Pfalz. Herr Nester, was hat Sie zu dieser Neuaufstellung bewogen?

Wir haben eine sehr starke Position im nördlichen Rheinland-Pfalz im internationalen Geschäft, allerdings einige Altersvakanzen. Da haben wir uns umgesehen und aus einer Reihe von möglichen Kooperationen die S-International Baden-Württemberg Nord gewählt, um aktiver Teil dieser S-International-Bewegung zu werden. Hier können wir unsere regionale Kenntnis einbringen, aber auch die breite Expertise und Spezialisierung der Kolleginnen und Kollegen sowie international das Korrespondenzbankennetz und eine breit gefächerte Produktpalette nutzen.

Welche Expertise bringt die Sparkasse Koblenz in das Netzwerk ein?

Wir haben in der Region und in Koblenz seit Jahrzehnten sehr außenhandelsstarke Unternehmen, sowohl in den Bereichen Dienstleistung als auch Produktion. Deshalb waren wir schon immer gefordert, Finanzierungen zu begleiten, Import-Export-Ströme zu organisieren oder auch im Zins- und Währungsmanagement Produkte bereitzustellen.

Was ändert sich für die Gewerbe-, Firmen- und Unternehmenskunden?

Zunächst einmal: Wir haben uns genau deshalb für die S-International Baden-Württemberg Nord entschieden, weil ihr Geschäftsmodell vorsieht, dass jede einzelne Gesellschaftersparkasse die Verträge mit den Kundinnen und Kunden weiterhin persönlich hält.

Die Betreuungsintensität vor Ort und die Struktur der Ansprechpartner bleibt erhalten, die Abwicklung des internationalen Geschäfts wird aber über die Zentraleinheit laufen, wodurch wir ein wesentlich breiteres Experten- und Backoffice-Netzwerk haben. Es ergeben sich zusätzliche Leistungsfelder im Zins- und Währungsmanagement, in der Außenhandelsfinanzierung und in der Übernahme internationaler Garantien. Jetzt, wo es wieder Zinsen gibt, gewinnt auch das Thema Zinssteuerung eine gewisse Bedeutung. Man braucht Spezialisten im Backoffice für Produkte wie Zinssicherungen, Caps, Swaps (gesprochen: Swops, Red.) … und weitere Produktthemen. Das kann von uns jetzt stärker zum Einsatz gebracht werden.

Auf wen sind die neuen Angebote zugeschnitten?

Ausgangsfall Nummer eins sind produzierende und dienstleistende Unternehmen unserer Region, die heute schon international Waren- und Dienstleistungsverkehr betreiben – unabhängig davon, ob es sich um die Beschaffungs- oder die Vertriebsseite handelt. Sie müssen in jeder Phase betreut werden und die Fragestellungen sind mannigfaltig. Einer bezieht Rohstoffe und veredelt diese, ein anderer verkauft Endprodukte an Kunden irgendwo in der Welt, die von deutscher Ingenieurskunst oder von Technologiethemen profitieren wollen.

Wenn ein Unternehmen sehr intensive Geschäftsbeziehungen in einen Wirtschaftsraum entwickelt – nehmen wir mal die USA –, kann es sinnvoll sein, dort sogar eine Produktions- oder eine Vertriebsstätte zu eröffnen. Wir sind auch bei der Beschaffung von Informationen, Kontakten und Gesprächsebenen behilflich, zum Beispiel zur Frage: Wo kann ich mein Unternehmen ansiedeln, wie kann ich über die Handelskammern Kontakt aufbauen? Möchte jemand beispielsweise ein Büro in Südostasien eröffnen, um Rohstoffe zu importieren, sind wir über unsere weltweiten Kontaktpunkte behilflich, die Stützpunkte international zu organisieren.

Und sollten Banken, die im Ausland Kunden betreuen, bei uns Auskünfte einholen, wie die Bonität eines deutschen Kunden im nördlichen Rheinland-Pfalz einzuschätzen ist, gibt es standardisierte Wege – natürlich immer nur mit Zustimmung des Geschäftskunden –, eine Geschäftsverbindung als positiv zu bestätigen, damit das ausländische Unternehmen Vertrauen fasst und dann zum Beispiel Waren liefert.

Spielten die Unruhen und Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine Rolle in Ihrem Bestreben, sich mit starken Partnern zusammenzutun?

Für uns stellt sich eher die Frage, wie man das Spezialwissen danach ausrichtet. Nehmen Sie beispielsweise den Ukraine-Konflikt und das, was als Embargo und Sanktionsvorschriften international erlassen wird. Wir merken, dass sich die Welt neu sortiert – im Wesentlichen sehen wir die Blöcke China/Ostasien, den US-Raum mit Nord-, Mittel- und Südamerika … und die Euro-Zone. Der afrikanische Kontinent ist dabei aufzuwachen und wird bedeutender. Diese Blöcke haben unterschiedliche politische Interessen. Das mündet darin, dass wir bankenaufsichtsrechtlich Expertenwissen brauchen, um Fragen zu beantworten wie: Welcher Export oder Import aus Russland ist aktuell zulässig und welcher nicht, mit welchen Geschäftspartnern dürfen international die Geschäftsbeziehungen weitergeführt werden und wer oder was fällt unter die Embargorichtlinien?

Man braucht ausgewiesene Experten, um situativ im Welthandel Auskunft geben zu können. Auch die folgenden Fragestellungen dienen als Beispiel: Welcher Zahlungsverkehrsweg nach China ist der beste? Wie importiere ich Stahl aus dem Irak sicher und rechtlich zulässig? Wem darf ich pharmazeutische Artikel liefern? Welche Geldwäschevorschriften sind international zu beachten? Mannigfaltige Themen spielen eine Rolle, sodass es heute einen Expertenstab braucht, der laufend informiert ist und diese Informationen auch zielgerichtet an Kundinnen und Kunden weitergibt. Da liegt der Vorteil des großen Netzwerks der S-International.

Das Interview führte Barbara Malik
Veröffentlichung am 28.04.2023 in WIRTSCHAFT – Die regionale Wirtschaftszeitung der Rhein-Zeitung, Ausgabe 02/2023
www.rhein-zeitung.de/wirtschaftszeitung


Veröffentlicht am 11. Januar 2024